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Thema: Verfahren des Doppelkasten

  1. #16
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    Post Re: Verfahren des Doppelkasten

    Zitat Zitat von grip Beitrag anzeigen
    In Abgrenzung zum Verfahren Doppelwürfel, stelle ich hier das Verfahren Doppelkasten vor.

    Genannt Doppelkas[set]tenverfahren oder auch 2-Tafel-PLAYFAIR
    Ergänzungen zum Doppelkastenschlüssel:

    -->Quelle: Die Schlüsselmaschine ENIGMA von Heinz Ulbricht

    Es handelt sich dabei ja eigentlich um ein Doppelkassettenverfahren.
    Die Schlüssel wechselten zuerst täglich 0 Uhr.

    Sie bestanden aus zwei Kästen A und B (je 25 Felder),
    in die das Alphabet (ohne j) permutiert eingetragen war,
    und den Kenngruppen.



    Die Zeilenlänge war auf 17 Buchstaben festgelegt,
    die Höchstlänge eines Spruches war auf 500 Buchstaben festgelegt.

    Zu jedem Tagesschlüssel, der aus zwei vorgegebenen Kästen A und B bestand,
    gehörten vier Kenngruppen von je drei Buchstaben.

    Der Spruchkopf enthielt nach der Uhrzeit und der Buchstabenzahl eine Kenngruppe, offen getastet.

    Bei mehrteiligen Sprüchen musste jeder Teil die gleiche Kenngruppe enthalten,
    ansonsten war zu wechseln.

    Der Klartext wurde so zeilenweise geschrieben, das je 34 Buchstaben eine Doppelzeile bildeten.

    Diese Doppelzeilen waren zwecks besserer Übersicht durch eine Leerzeile getrennt.

    Ein Rest von weniger als 34 Buchstaben wurde mit der Zeilenlänge (Rest durch 2, aufgerundet) in die letzte Doppelzeile geschrieben, wobei zum Füllen eventuell noch ein Buchstabe (ungleich x) nötig war.

    Die untereinander stehenden Buchstabenpaare bildeten für die Chiffrierung eine Einheit. Dabei wurde der obere Klarbuchstabe im Kasten A aufgesucht, der untere im Kasten B.

    Standen beide Buchstaben in derselben Zeile, wurde der 1. Klarbuchstabe durch den rechts vom 2. Klarbuchstaben im Kasten B stehenden Buchstaben ersetzt, der 2. Klarbuchstabe durch den rechts vom 1. Klarbuchstaben im Kasten A.

    Standen die beiden Klarbuchstaben in verschiedenen Zeilen, wurden die Klarbuchstaben durch die dritte und vierte Ecke des durch die Klarbuchstaben definierten Rechtecks ersetzt, die Ecke im Kasten B zuerst.

    Das so entstandene Buchstabenpaar wurde als Zwischentext angesehen und sofort erneut wie angegeben chiffriert.

    Das Ergebnis dieser zweiten chiffrierung war das Geheimtextpaar.
    Diese Geheimtextpaare bildeten, nacheinander geschrieben, den ganzen Geheimtext. Beim Dechiffrieren wird in zwei Schritten das Verfahren umgekehrt.

    Zur Erleichterung des Chiffrierens / Dechiffrierens konnten Schlüsseltafeln erstellt werden. Mit dem Eingang RV (geheimtext) liefert die Tafel unmittelbar den Klartext fn.



    Es ist aber bekannt das in einigen Heeresverbänden bei der Anwendung dieses Verfahrens bei Sprüchen innerhalb des Verbandes der zweite Chiffrierschritt weggelassen wurde.

    Mit dieser "Vereinfachung" leistete man unabsichtlich den unbefugten Dechiffrierern Vorschub. Dort, wo in deutschen Funkkreisen nur einstufig chiffriert wurde, war der Einbruch relativ einfach: 1941 und bis zur drastischen Kürzung der Zeit der Gültigkeit eines Schlüssels 1942 war die Spruchmenge relativ gross.

    Durch während des Tages fortlaufendes Mitzählen der Bigramme schälten sich bald die Frequenzen der häufigsten Buchstaben Kombinationen heraus.

    Da i.a. die Absender bzw. Empfänger bekannt waren, liessen sich klartexteteile bilden, die dann die Konstruktionen der beiden Schlüsselquadrate ermöglichte.

    Hierbei waren wieder stereotype Meldungen (z.B. Bestandsmeldungen jeden Freitag um 18:00 Uhr) besonders aufschlussreich, da sie auch meisst im selben Wortlaut abgefasst waren.

    Dieser Schlüssel wurde wie oben erwähnt auch von der SS und der Polizei benutzt, dort offenbar nur einstufig. Am 1. November 1942 wurde das Doppelkstenschlüssel Verfahren verändert. Die Schlüssel wechselten nun täglich mehrmals.

    Für jeden Tag wurden 6 Kästen A bis F vorgeschrieben, dazu, welche Kombinationen von zwei Kästen für welche Zeitspanne des Tages gültig sein sollte.



    Nach der Verkürzung der Gültigkeitsdauer der einzelnen Schlüssel auf drei Stunden im November 1942 wurden die Sprüche zunächst nicht mehr gelesen, noch dazu, wenn, wie in Afrika, Sender und Gegenstelle auf verschiedenen Frequenzen arbeiteten.

    Durch die aliierte Aktion gegen die deutsche Nachrichten-Fernaufklärungs-Kompanie unter Hauptmann Seebohm bei Tel el Eisa in Nordafrika am 10. Juli 1942 gelangten die Alliierten in den Besitz der vollen Ausrüstung und fast aller Chiffrier-Unterlagen, auch Einzelheiten zum neuesten Stand des Doppelkastenschlüssels.

    Es wurden dann auch einzelne Sprüche bei vollem, zweistufigen Schlüsselverfahren und Gültigkeit von nur drei Stunden dechiffriert,
    allerdings wurden die Kästen nicht rekonstruiert. Praktikabler war es da eine entsprechende Bigrammtafel aufzubauen.

    Ab 1944 gelang auch die Rekonstruktion der Kästen.

    Vor der Invasion waren deutsche Funkstellen mit Übungsfunk beschäftigt, der aus persönlichen Mitteilungen, Zeitungsartikeln, Kinderversen u. dgl. bestand. Diese Phase half, das Ermitteln der Schlüssel zu üben.

    Die Zeilenlänge war zu dieser Zeit noch 21 Buchstaben lang gewesen.
    Die genaue Verkehrsanalyse und Peilung der Funkstellen half, die aufgenommenen Sprüche den Einheiten und damit dem jeweiligen Schlüssel zuzuordnen.

    Die zu einem Schlüssel gehörigen Sprüche wurden daraufhin wiederum auf die Häufigkeit der Bigramme hin untersucht. Die Schwierigkeit beim zweistufigen Verfahren lag darin, dass nicht die Häufigkeit der Bigramme zu erkennen war,
    sondern dass die individuellen Häufigkeiten der Einzelbuchstaben in den Paaren zum tragen kam.

    Dazu kam noch die Erschwernis das jede Division ihre eigenen Verschlüsselungsmatrizen hatte, deren Kombination mittlerweile alle drei Stunden geändert wurde.

    Hier halfen dann stereotype Wendungen und immer wiederkehrende Abkürzungen als Klartextspuren beim dechiffrieren.

    FG
    GRip

  2. #17
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    Re: Verfahren des Doppelkasten

    Zitat Zitat von grip Beitrag anzeigen
    Wenn die beiden Buchstaben in verschiedenen Zeilen der beiden Kästen liegen ist nun lediglich ein einfacher Überkreuzschritt zum Verschlüsseln nötig.
    Im I Schritt wird aus dem ersten Digraphen BD --> BP.
    Im II Schritt wird aus dem Digraphen BP --> NP

    Im folgenden zwei Beispiele für solch einen Überkreuzschritt



    Wenn die beiden Buchstaben allerdings in denselben Zeilen der beiden Kästen liegen, wird es schwieriger. Dann werden die jeweils links davor liegenden Buchstaben gewählt. Diese werden dann vertauscht. Mit diesem Buchstabenpaar wird nun wieder normal in einem Überkreuzschritt verschlüsselt. Manchmal muss dieser Schritt wiederholt werden, weil das resultierende Buchstabenpaar wieder in der selben Zeile lag.

    Beim Digraphen SI werden also zuerst die links davor liegenden Buchstaben NC gewählt.
    Diese werden dann vertauscht zu CN.
    Damit kann leider noch nicht Überkreuz verschlüsselt werden weil auch diese beiden Buchstaben in einer Zeile liegen.
    Also weiter, -> die links davor liegenden Buchstaben sind ZB.
    Diese vertauscht ergeben BZ.
    Damit ist nun der Überkreuz Schritt möglich und wird auch durchgeührt.
    Im Ergebnis steht nun NE.


    Im Buch Nachrichtennahaufklärung (Ost) und sowjetrussisches Heeresfunkwesen bis 1945 von Volker Detlev Heydorn ist ein etwas abweichendes Schema erläutert für den Fall das beide Buchstaben in der gleichen Reihe der beiden Kästen stehen.

    Bei Heydorn werden in diesem Fall die rechts dieser Buchstaben liegenden Buchstaben für den Überkreuzschritt gewählt.
    Für den Fall das einer bzw. beide Buchstaben des zu verschlüsselndes Buchstabenpaares auf gleicher Reihe der beiden Kästen, sich an deren rechten Rand befinden, wählt man demnach auf der gleichen Reihe den am linken Rand des jeweiligen Kasten stehenden Buchstaben.
    Wenn eine 5-Buchstabengruppe nicht voll wurde, setzte man beliebige Buchstaben an ihr Ende.

    FG
    GRip

  3. #18
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    Post Re: Verfahren des Doppelkasten

    eine handschriftliche bebilderte Beschreibung des Verfahrens Doppelkasten, von einem Zeitzeugen, findet ihr hier ->

    http://einestages.spiegel.de/externa...1/l3/l0/F.html

    Hier ist dem Zeitzeugen Hermann Kleditz allerdings auch ein Fehler unterlaufen.

    Findet IHR den Fehler?

    FG
    GRip

  4. #19
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    Re: Verfahren des Doppelkasten

    Zitat Zitat von grip Beitrag anzeigen
    Hier ist dem Zeitzeugen Hermann Kleditz allerdings auch ein Fehler unterlaufen.

    Findet IHR den Fehler?
    Mir ist auch ein Fehler unterlaufen ;-) Der Zeitzeuge heisst Jürgen Reinhold und hat sein Beispiel 65 Jahre nach Kriegsende aufgeschrieben.

  5. #20
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    Post Re: Verfahren des Doppelkasten

    Unter dem folgendem Link findet ihr unter anderem die Doppelkasten Chiffre umgesetzt in einer Excel Tabelle mit Makros.

    http://www.jkhudson.plus.com/codes/gridindex.htm

    Auch sehr interessant ist dieser Abschnitt "How to make tools to use in codebreaking with EXCEL and VBA".
    Zu finden unter folgendem Link.

    http://www.jkhudson.plus.com/codes/codeindex.htm

    FG
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  6. #21
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    Re: Verfahren des Doppelkasten

    "Beim Digraphen SI werden also zuerst die links davor liegenden Buchstaben NC gewählt.
    Diese werden dann vertauscht zu CN.
    Damit kann leider noch nicht Überkreuz verschlüsselt werden weil auch diese beiden Buchstaben in einer Zeile liegen.
    Also weiter, -> die links davor liegenden Buchstaben sind ZB.
    Diese vertauscht ergeben BZ.
    Damit ist nun der Überkreuz Schritt möglich und wird auch durchgeührt.
    Im Ergebnis steht nun NE."

    Mit diesem Doppelkasten-Verfahren werden also SI und CN genau gleich verschlüsselt? SI über drei und CN über zwei Schritte. Ist das nicht irgendwie unpraktisch?
    Möge euch das Wissen eines absoluten Amateurs von Nutzen sein.

  7. #22
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    Re: Verfahren des Doppelkasten

    Zitat Zitat von Trismegistos Beitrag anzeigen
    Mit diesem Doppelkasten-Verfahren werden also SI und CN genau gleich verschlüsselt? SI über drei und CN über zwei Schritte. Ist das nicht irgendwie unpraktisch?
    Ja, und außerdem auch falsch. Es muss tatsächlich kein Überkreuz Schritt erzwungen werden. Ein richtiger Hinweis von Dir

  8. #23
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    Post AW: Re: Verfahren des Doppelkasten

    Seit dem 29. Januar 2016 gibt es ja nun auch einen Wikipedia Eintrag zum Doppelkastenschlüssel.
    --> https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelkastenschlüssel

    Unter Weblinks wird dort wiederum unter * Graphische Erläuterung der Verfahrensschritte auf eine Spiegel-Online Quelle verwiesen, welche leider nicht korrekt ist.
    Dort ist folgendes dargestellt.
    --> http://www.spiegel.de/fotostrecke/ve...-106392-4.html

    DS --> WM --> WM --> DS was eben leider nicht richtig ist.
    DS --> WM --> MW --> NN würde da besser passen.

    Also letztlich so:

    D E R D O P P E L K A S T E N S C H L U E
    S S E L D E S D E U T S C H E N H E E R E

    DS ES RE DL OD PE PS ED LE KU AT SS TC EH NE SN CH HE LE UR EE

    NN AD VB MD FK AT VW TQ KG RO HP IY LK EG OC IM NZ UY KG AP UX

    Wer das Ergebnis zum dort gezeigten Beispiel prüfen möchte, kann folgende Exceldatei dafür verwenden.
    --> http://www.jkhudson.plus.com/codes/x...DBplayfair.xls

    DK0.JPG

    DK1.jpg

    DK2.jpg

    FG
    GRip

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